Piraten, Enterdregge und die deutsche Sprache
20.04.2009Wer die Frankfurter Allgemeine Zeitung ließt, ist ein kluger Kopf und weiß: Piraten entern vor der somalischen Küste mit einfachen Enterdreggen große deutsche Schiffe mit meterhohen Boardwänden und nehmen deren Besatzung gefangen.
Eine Enterdregge, bekannt aus historischen Piratenfilmen, ist ein an Tauen ausgeworfener, meist vierarmiger kleiner Anker, der von Piraten über die Boardwand eines Schiffes geworfen wird und sich dort am Boardwandrand verkantet. An dessen herunterhängendem Tau erklimmen die Piraten die Boardwand des feindlichen Schiffes, steigen mit lautem Geschrei auf das Schiffsdeck und bringen die Besatzung und das Schiff in ihre Gewalt.
Die Frankfurter Allgemeine titelte heute „Die Geheimwaffen der Piraten” und zeigt auf einem Foto der Bundeswehr beschlagnahmte Enterdreggen und fragt, ob nun die rote Pappnase dem „Innen- oder Verteidigungsminister gehöre”. Die Zeitung vermutet in der primitiven aber wirkungsvollen Enterdregge „ein Symbol asymmetrischer Kriegsführung” der Neuzeit.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist bekannt, auch dann noch schöne Wörter der deutschen Sprache zu verwenden, wenn es sich um ein trauriges und ernstes Thema handelt. Unserer Blog-Redaktion fiel das Wort „Enterdregge“ ins Auge. Der schöne Begriff dieses historischen Enterwerkzeuges wurde sofort von unseren Fachübersetzern ins Englische übersetzt und in unseren Wortschatz aufgenommen:
Enterdregge, die – grappling hook
Unser Bild zeigt einen Versuch unserer grafischen Abteilung, einen Piraten mit einer Enterdregge darzustellen.

Sprachreisen 2011